Buchempfehlung: A GUIDE TO BETTER MOVEMENT – Todd Hargrove

October 8, 2016

Das Buch beleuchtet das Zusammenspiel von Gehirn und Bewegung sowie Schmerzen. Der Geist wird dabei aus neurobiologischer Sicht betrachtet und kommt wenig transzendent spirituell einher. Das Faszinierende dabei: man versteht, warum alte spirituelle Bewegungslehren wie Yoga oder Qi Gong funktionieren, obwohl die Lehrer keine Wissenschaftler im modernen Sinne waren.

 
Das Buch setzt eine Ebene tiefer an, als die klassische Functional Training Literatur. Es wird nicht die Ausführung von grundlegenden Bewegungsmustern vermittelt, sondern die Art und Weise, grundlegende Bewegungsmuster effizient zu erlernen. Das Motto: lernen wie man lernt. Dabei wird das Handwerkszeug zum erlernen jedes Sports an die Hand gelegt.
Der Autor stützt sich dabei auf die Lehren von Moshe Feldenkrais. Im letzten Teil sind 25 Übungen aufgeführt, um sich dem eigenen Körper und Bewegungen bewusst zu werden. Im Kern geht es darum, komplexere Bewegungsmuster (viele Muskeln und Strukturen) aufzubrechen und Bewegungen zu isolieren. Beim achtsamen Experimentieren erschrecke ich mich häufig, wie schwer es ist, einzelne Muskeln getrennt zu aktivieren. Beispielsweise musste ich lernen, meine Schulterblätter außen zu rotieren (den Infraspinatus zu aktivieren), ohne meinen Trapezius anzuspannen. Dieser war überaktiv, weil mein Gehirn die Muskeln mit einer Bewegung verbindet (oder frei nach Feldenkrais: zusammen im selben Gehirnareal kartiert). Durch achtsames Üben ist es aber möglich, solche Muster aufzubrechen. Nach der Isolation kann dann mit der Integration in komplexere Bewegungsmuster begonnen und letztendlich in der Improvisation gegipfelt werden, was aber nicht Teil des Buches ist.
Des Weiteren wird die Entstehung und Beeinflussung von Schmerzen erläutert (dabei wird häufig Butler und Moseleys „Schmerzen Verstehen“ zitiert, auch empfehlenswert). Einer der Kernpunkte ist, dass es keinen linearen Zusammenhang (und manchmal gar keinen) zwischen Schmerzen und Gewebeschädigungen gibt.
Das Buch ist für jeden (der des Englischen mächtig ist) empfehlenswert. Es verdeutlicht die Bedeutung qualitativ hochwertiger Bewegungen. Denn unser Gehirn ist plastisch: es dauert eine Weile, neue Bewegungen zu erlernen. Aber es ist ebenso schwer (oder schwerer) gewohnte, ineffektive, gefährliche Bewegungen zu verlernen. Und das gilt nicht nur für Bewegung: Analogien können auch zu Verhaltens- und Sichtweisen gezogen werden.

 

 

 

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Dipl.-Ing. Tim Böttner

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